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DBA aus Großbritannien könnte bald nicht mehr anerkannt werden

Der Abschluss, der einer Promotion gleichkommt und bisher erlaubt, einen Doktortitel zu führen, aber meist von Führungskräften berufsbegleitend absolviert wird, könnte bald in Deutschland nicht mehr anerkannt werden

Dienstag, 26 Februar, 2019

Der MBA-Abschluss ist in Deutschland mittlerweile fast genauso weit verbreitet wie im englischsprachigen Ausland und wird von Firmen problemlos anerkannt. Deutlich weniger bekannt ist der DBA, der „Doctor of Business Administration“. Der Abschluss, der einer Promotion gleichkommt und bisher erlaubt, einen Doktortitel zu führen, aber meist von Führungskräften berufsbegleitend absolviert wird, könnte bald in Deutschland nicht mehr anerkannt werden, wenn er aus Großbritannien stammt.

Brexit könnte Anerkennung erschweren

Grund dafür ist der Brexit. Wie das Handelsblatt berichtet, wird der DBA an deutschen Hochschulen oft in Zusammenarbeit mit britischen Universitäten angeboten, kostet meist 45 000 EUR oder mehr, und gilt als der neue, heimliche Karriereboost für Führungskräfte im Management. Denn er weist nach, dass man Ahnung von wissenschaftlichen Analysen hat, ein Experte auf einem Gebiet ist, und er erlaubt es, neben der Tätigkeit in Führungsebenen oder in Aufsichtsräten an Universitäten Gastprofessuren anzunehmen. Das ist besonders für Führungskräfte in gehobenen Positionen interessant, denn gerade in Deutschland gilt der akademische Titel noch als starker Karrierebooster, je höher im Unternehmen man ankommt.

Doch da Führungskräfte meist nicht die Zeit haben, drei oder vier Jahre komplett aus dem Beruf auszusteigen, um traditionell in Deutschland eine Promotion zu absolvieren, dafür zu forschen und entsprechend zu veröffentlichen, gilt der DBA als gute Alternative. Er kann aus Deutschland und neben dem Beruf absolviert werden, wobei sowohl die britische wie auch die deutsche Partneruniversität unterstützt, aber auch mitverdient.

Großbritannien fällt aus EU-Recht und damit aus Abkommen zu akademischen Titeln

Doch wenn Großbritannien aus der EU ausscheidet, fällt auch eine bisherige Vereinbarung weg, die derzeit die Anerkennung aller akademischen Titel innerhalb der EU regelt. Bisher werden akademische Titel einfach anerkannt, so darf ein Doktorgrad auch aus dem Ausland in Deutschland geführt werden. Nach dem Brexit ist Großbritannien nicht mehr in der EU, die Regelung ist damit nichtig. Und obwohl sich die Kultusministerien bereits um einen Ersatz bemühen, könnte das Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern. Solche bilateralen Abkommen bestehen mit Ländern wie Kanada, den USA oder Australien.

DBA? Besser noch warten – oder in die USA schauen

Selbst wenn dieses Abkommen zustande kommt, könnte der DBA aber ausgenommen werden. Denn der DBA ist stark praxisorientiert, was den deutschen Hochschulen schon länger ein Dorn im Auge ist, so das Handelsblatt. Denn sie fürchten, dass der DBA die Türe für Promotionen an Fachhochschulen in Deutschland öffnet. Experten raten daher, noch etwas mit dem Beginn eines DBA zu warten, sollten Sie sich für einen solchen Abschluss aus Großbritannien oder an einer deutschen Hochschule mit britischer Partneruni interessieren. Oder Sie orientieren sich in Richtung Übersee und suchen sich eine Hochschule in den USA, was allerdings oft mit deutlich höheren Kosten verbunden ist. Übrigens: wenn Sie bereits einen Doktorgrad an einer britischen Hochschule erworben haben, der bereits anerkannt ist, behalten Sie Ihren Doktortitel laut Kultusministerium auf jeden Fall!